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Literarische Lesung mit der Autorin Marianna Kijanowska

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Literarische Lesung mit der Autorin Marianna Kijanowska

Die Werkstattbühne des Olha-Kobylanska-Stadttheaters in Tscherniwzi erwies sich als wunderbarer Ort für die literarische Lesung mit der Dichterin Marianna Kijanowska, die am 28. September 2026 stattfand. Draußen dämmerte es, und ebenso langsam wurde es im Saal dunkel; das Panoramafenster bot einen herrlichen Blick auf Fragmente alter Tschernowitzer Häuser und Dächer. Eine visuelle Idylle, vor deren Hintergrund die Autorin und die Moderatorin Svitlana Vardevanian über Ereignisse und Bedeutungen unserer weit von einer Idylle entfernten Gegenwart sowie unserer ebenso schwierigen Vergangenheit sprachen: über den vergangenen und den gegenwärtigen Krieg; über den Völkermord als Mittel des Totalitarismus, diejenigen physisch und in ihrer Identität zu vernichten, die er zu „Feinden“ erklärt; über Zorn, Vergeltung und Hass gegenüber jenen, die bewusst das Leben, die Freiheit und das Territorium eines anderen Volkes angreifen. Darüber, dass das Recht auf Zorn ebenso wie das Recht auf Verteidigung für die Ukrainer heilig ist, aber gleichzeitig auch darüber, warum man die Sprache des Hasses nicht in sein künstlerisches Schaffen lassen darf.

Kijanowska las aus ihrem preisgekrönten Gedichtband „Babyn Jar. Stimmen“ und teilte mit dem Publikum die Entstehungsgeschichte des Buches. Ihre Erfahrung, den im Babyn Jar Ermordeten durch den poetischen Text eine Stimme zu verleihen, war geradezu mystisch; der schöpferische Prozess war von körperlichen Schmerzen begleitet – von einem Zustand, den die Autorin mit dem Begriff Qualia aus der Philosophie des Geistes beschreibt.

Zum Abschluss las die Dichterin einige Gedichte aus der Sammlung „Der Blitz trifft auf Wasser und Wind“ (2023). Diese Texte handeln von der Gegenwart, vom russisch-ukrainischen Krieg unserer Zeit, der nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt andauert, sowie von täglichem Schmerz und Verlusten.

Die Poesie Kijanowskas ließ niemanden im Publikum unberührt – weder die älteren noch die ganz jungen Zuhörerinnen und Zuhörer.

Wir danken Svitlana Vardevanian für die hervorragende Moderation.

Dank Alla Bordijantschuk haben wir Erinnerungsfotos von der Begegnung mit der Autorin. 

Die Veranstaltung setzt die Veranstaltungsreihe fort, die dem 125. Geburtstag von Rose Ausländer gewidmet sind. Sie fand dank der freundlichen Unterstützung des Goethe-Instituts Ukraine statt.

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